Wir sassen in gemütlicher Runde und sind irgendwie auf Fahrradstürze zu sprechen gekommen (Jochen hat, bedingt durch einen Fahrradunfall, den Arm in einer Schiene). Da hatte jeder was zu sagen, die Geschichten steigerten sich an Schaurigkeit. Und wer hatte die schlimmste? Unser Triathlet Arno! Von einem falsch zusammengewachsenen Knochen redete er, von einem Schmerzmittel, das wie LSD sei (und das er bekommen habe), von Operationen, von einem Arm, bei dem kaum mehr was ging (ein bisschen am Kopf kratzen halt), von einem Nagel, der fast so lang war wie der ganze Oberschenkel (am Flughafen piepst's dann nur so bei der Kontrolle). Alles aufgeschürft vom Asphalt (wobei aufgeschürft noch eine Untertreibung sein dürfte). Oberschenkel genäht, mit langem Faden. Ein Physiotherapeut, der ihm zuredete, das Metall rausmachen zu lassen, denn er könne mit dem Metall jetzt nicht mehr hinkriegen, da die Sehnen überlastet seien, da diese um das Metall und nicht nur um den Knochen herumliefen.
Fahrradunfall, Kurve nicht mehr gekriegt, es war sandig.
Diana, medizinisch sehr bewandert, sagte erst mal gar nichts. Und irgendwann dann: Sie verstünde nicht, wieso jemand auch noch dafür zahlen würde (Triathlon-Veranstaltungen waren gemeint), seinen Körper kaputt zu machen. Das hatte sie schon gemeint, als ich ihr erzählte, dass beim diesjährigen Kraichgau-Triathlon die Zweiten jeder Altersklasse
Kompressionsstrümpfe bekämen. Da schüttelte sie schon den Kopf.
Unseren beiden Triathleten hat sie dann erklärt, dass, wenn die Muskeln hart wären, das lauter kleine Risse wären. Jochen hielt dagegen, dass dann die Muskeln schneller wachsen würden. Diana liess sich nicht beirren und führte aus, dass sich die Zellen dann schneller spalten würden, und die gehäufte Spaltung führte zu schnellerer Alterung. Das liess kein Aber mehr zu, und schlussendlich blieb Jochen dabei, dass es eine unglaubliche Endorphinausschüttung sei, wenn man einen Triathlon erfolgreich absolviert habe, und dass das jeder mal erlebt haben müsse.
Diana und mich und hat er nicht überzeugt, wir bleiben dabei, dass die Schinderei in keinem Verhältnis steht. Aber zumindest jetzt wissen wir, warum die Leute das machen: Die suchen den Kick! Die Endorphinausschüttung!
Da begreife ich dann auch, warum man so oft bei Triathleten liest, wenn sie den Triathlon schafften, dann schafften sie auch alles andere im Leben. Was für ein Humbug! Aber das ist den Endorphinen geschuldet!