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erster Tag 2012Sonntag, 1. Januar 2012
Der erste Tag des neuen Jahres ist grau, össelig, warm wie im Frühling, nass. Aber: Die Geister sind vertrieben, wie man an dem Bild aus dem Graham-Park sieht. Hoffentlich sind sie auch wirklich vertrieben. Ein Jahr ohne Sorgen wäre mal was.
In diesem Sinne: Ein schönes neues Jahr allerseits! "Kein Café hat auf!"Montag, 26. Dezember 2011
"Kein Café hat auf!" konstatiert die alte Dame vorwurfsvoll, die mit mir zusammen in die Strassenbahn steigt.
Es ist der zweite Weihnachtstag und sie hatte sich auf Kaffee und Kuchen in einem schönen Café gefreut. Die Strassenbahn fährt an, im Café gegenüber ist alles dunkel (auch in der Kneipe daneben, die eigentlich auch Kuchen haben). "Da schauen Sie, alles dunkel." Sie zeigt auf das Café. Ich überlege so, was den offen hat, und erwähne das Mildner's, von dem ich gerade komme. Das Mildner's gehöre irgendwie zum Mantei, teile ich ihr mit, und es habe guten Kaffee. Es sei in der Bergheimer Strasse. Nein, das sei nicht gut, wenn man erst suchen müsse. Nun ja, das Mildners hat auch eher junges Publikum und man muss sich das Gewünschte an der Theke abholen. Das ist nicht unbedingt was für alte Damen zwischen 80 und 90 (so schätze ich sie). Und so mobil ist sie auch nicht. Sehr dünn, gebeugte Gestalt (aber keine gebeugte Persönlichkeit, sondern lebhaft am Leben teilnehmend), Stock und wie gesagt Buckel. Das Schafheutle, bildete ich mir ein, hatte gestern zu. Oder bin ich da gestern vorbeigelaufen, oder wann? Nichts habe offen, gar nichts. Das sei ein unmöglicher Zustand, so etwas gab es noch nie. Die Dame schüttelt den Kopf. Sie sei ein Stück die Hauptstrasse hochgelaufen, nichts. Das Extrablatt erwähne ich, aber es löst bei ihr nichts aus. Dann Starbucks. Was das sei? Das seien Amerikaner. Ja? Nein, da gehe sie nicht rein, das interessiere sie nicht. Wir fahren am nächsten Café vorbei, das zu hat. Alles dunkel. Die dunklen Cafés, das sind die Riegler-Cafés, in die die alte Dame so gerne geht (und ich auch). Mittlerweile sind wir so sehr an diese - teils sehr schön eingerichteten - Cafés gewöhnt, dass wir gar nicht mehr dran denken, dass es auch andere gibt. Und dass diese Riegler-Cafés eben eigentlich Bäckereien sind. Die haben Feiertags gar nicht offen, sonntags aber sehr wohl (manche), v.a. die in der Innenstadt. Die ist die alte Dame gewöhnt, nach denen hat sie vergeblich Ausschau gehalten. Alles zu. Der Frauenraum des SKMMontag, 12. Dezember 2011
Der FrauenRaum des SKM in der Sendung Menschen - das Magazin vom ZDF.
Das SKM ist eine Institution in Heidelberg. Es ist Obdachlosen- und Bedürftigenarbeit. Die Räume sind mitten in der Stadt, nahe beim Hauptbahnhof und noch näher an der Arbeitsagentur. Für die Obdachlosen wird zum Beispiel jeden Tag eine warme Mahlzeit gekocht oder sie können die Institution als Briefkastenadresse nehmen. Seit einem Jahr (oder ein paar Monaten länger) gibt es nun auch den FrauenRaum, nur für Frauen. Er ist in einem Problemviertel der Stadt angesiedelt. Eine Freundin von mir geht da gerne dort hin und hat mich nun auf den Beitrag in der Sendung "Menschen - das Magazin" vom ZDF, ausgestrahlt am 10.12.2011, aufmerksam gemacht. Der FrauenRaum ist nicht nur für obdachlose Frauen, sondern allgemein für arme Frauen oder Frauen in einer besonderen sozialen Situation. Meine Freundin lernt dort interessante Frauen kennen. Eine Einstellung, die ich verstehe, denn das sind Frauen abseits vom (bemüht) weichgespülten Mainstream. Diese Frauen erzählen vom Leben, wie es ist. In der Sendung habe ich eine erkannt, die der FrauenRaum viel Rückhalt und auch Perspektive gibt, wie mir ihre Mutter erzählt hat. Eine andere ist aufgrund ihrer Behinderung eine Aussenseiterin. Aber wenn die Sprache auf den FrauenRaum kommt, dann strahlt sie und geht aus sich heraus. Vorbeigucken wollte ich da deswegen schon länger mal, die Sendung kommt mir gerade zupass. Ein Interview mit Thomas FeySonntag, 13. November 2011
Gerade gehört: Ein SWR2-Interview mit Thomas Fey, Dirigent der Heidelberger Sinfoniker.
Ich wohne jetzt schon über zehn Jahre in Heidelberg, aber ich habe sie nie beachtet. Zu viel mit anderen Dingen beschäftigt. Das muss sich ändern, denn das ist eine echte Bildungslücke, die es zu schliessen gilt, wie ich an dem Interview mit vielen Musikeinlagen des Orchesters gemerkt habe. 4. FotofestivalSamstag, 8. Oktober 2011
Zur Zeit läuft das 4. Fotofestival der Rhein-Neckar-Region. Sogar in der National Geographic steht ein Hinweis dazu. Deren Beschreibung finde ich auch die Beste:
Zeigen wollen die Fotografien, was uns im heutigen Zeitalter beeinflusst. Ein anderer Schwerpunkt des Festivals liegt darin, die Realität durch die Aufnahmen zu hinterfragen und Gefühle hervorzurufen. Außerdem soll der Betrachter Antworten finden auf: „ Wie lauten einige der wichtigsten Fragen und Herausforderungen, denen die Menschheit heute gegenübersteht und wie werden sie dargestellt?“ Das Fotofestival macht eine „Reise in das Reich des Menschen“. Diese Beschreibung sagt doch viel mehr aus als "Lebenskreisläufe" oder der Titel der Ausstellungen "The eye is a lonely hunter". Oder was soll ich mit einem (Teil-)Satz wie: Das 4. Fotofestival ruft die Fotografie in den Zeugenstand und widmet sich ihrer Rolle als visuelle Ausdrucksform einer Conditio humana zu Beginn des zweiten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts: Das steht so auf der offiziellen Website, gleich auf der ersten Seite. Da verstehe ich gar nichts, das ist mir zu gedrechselt. Nun ja, in zwei Ausstellungen in Heidelberg war ich, einmal in der Sammlung Prinzhorn auf dem Psychiatrie-Gelände und noch im Heidelberger Kunstverein. Die Ausstellung in der Prinzhorn-Sammlung ist wahrhaft eine Depri-Sammlung. Roger Ballen hat die weisse Bevölkerung Süd-Afrikas porträtiert, die mit dem Ende der Apartheid alles verloren hatten. Zutiefst verstörte Menschen, kaum jemals zu einem Lächeln fähig. Sehr eindrücklich das Bild mit den erwachsenen eineiigen Zwillingen. Sie wirken debil, ihnen läuft der Sabber aus den Mündern. Das ruft auf jeden Fall Gefühle hervor und macht nachdenklich. Ganz anders die Ausstellung im Heidelberger Kunstverein. Mehrere Fotografen, sodass man sich auf jedes Bild neu einlassen muss. Die Bilder selbst auch von ihrer Aussage her eingängiger, gefälliger, schneller erfassbar. Das Schwulenpärchen etwa, salt and pepper noch dazu, wie sie nebeneinander im Bett liegen und sich über irgendwelche Dinge austauschen, zutiefst teilnehmend an dem, was der andere sagt. Die Aussage ist nur allzu klar. Oder das Bild des Neugeborenen, mit noch nicht entfernter Nabelschnur. Ganz klar, ein Höhepunkt im Leben. Die Leinwand-Videos dagegen regen mehr zum Nachdenken an. Eines ist über eine türkische Hochzeit. Wie die Leute feiern, tanzen, wie öffentlich ausgerufen wird, wer wieviel gespendet hat (erkleckliche Summen), wie mann/frau sich herausputzt beim Friseur und, und, und. Pures, ausgelassenes Leben. Im Eingangsbereich das andere Leinwand-Video. Finnischer Herkunft. Es geht um einen Leichenbestatter. Meine Freundin und ich sind dann raus, als es um einen Mitarbeiter namens Paavo ging, der frei hatte und dann nicht mehr zur Arbeit erschien. Wir wollten nicht mehr wissen, wie er gestorben ist. Das wirkte wie ein Krimi.
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